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Ausflug 2010

Jahresausflug nach Flandern vom 13. - 15.Mai 2010

- ein Reisebericht von Horst Freiburger

Schon früh am Morgen um 6.50 Uhr musste die erste Teilnehmergruppe von der Hohenstange unter dem Wasserturm bei dem bereitgestellten Reisebus der Fa. Spillmann einchecken. Das Wetter war launisch und setzte bei leicht frostigen Temperaturen zum Regnen an , aber unser mitreisender Vorsitzende begrüßte uns mit seiner überschwänglichen guten Laune. Alle kamen super pünktlich, sodass die zweite Teilnehmergruppe am Bahnhof um 7.00 Uhr auch pünktlich abgeholt werden konnte.
Da warteten bereits schon alle restlichen Teilnehmer mit ihrem Hausstand. Man konnte in den einzelnen Mienen die Stimmung des Wetters beim Einsteigen ablesen. Die Begrüßungszeremonie unseres Stefans wiederholte sich und spätestens als Waltraut Nowak, unsere erfahrene und gute Reiseleiterin, den Bus bestieg, abgezählt und uns begrüßt hatte, lehrerhaft verkündete, dass diese Reise genau am richtigen Wochenende stattfände, kippte die Stimmung zum skeptischen Wohlgefallen, denn laut Internet-Wettergott sollten wir bestes Reisewetter bekommen.

Kurz nach sieben Uhr fuhren wir auf die Autobahn Heilbronn und weiter Richtung Sinsheim-Mannheim-Koblenz-Kerpen-
Aachen nach Brüssel. Die Fahrt mit diesem Luxusbus gab uns ein Gefühl des Schwebens, was auch auf die Fahrweise des Fahrers zurückzuführen war. So dauerte es auch nicht lange, bis alle Stimmen verstummten und die meisten von uns ein seliges Nickerchen hielten.

Bei unserem ersten großen Halt auf einem Rastplatz nach Kerpen gab es das obligatorische Frühstück der Eintracht, Hefezopf vom Schmucker- wie bei jedem Ausflug-, dazu ein heißer guter Bordkaffee aus Porzellantassen.

Frisch gestärkt ging die Fahrt weiter und mancher genehmigte sich noch einen kleinen alkoholischen Genussverstärker. Das Glück blieb uns weiterhin treu: Die berüchtigte Autobahn war staufrei und der Verkehr hielt sich in Grenzen, sodass wir gegen 13.25 Uhr Brüssel bei trockenem aber sehr kühlen Wetter erreichten.

Brüssel, die Hauptstadt Belgiens, Flanderns und der Europäischen Union

Unser Hotel Bedford lag zentrumsnah zur Altstadt. Es blieb nur wenig Zeit, unser Gepäck zu deponieren und uns ganz schnell etwas frisch zu machen, denn unser Stadtführer vor Ort erwartete uns bereits. Es ging zu Fuß in die Altstadt, vorbei an der bekannten Stadtfigur aus Bronze „ Altes Marktweib mit Kreissäge“.

Gleich um die Ecke steht die bekannteste Brüsseler Sehenswürdigkeit, das „ Manneken Pis“, ein kleiner pummeliger Bub aus Bronze, der sein „Wässerle“ in aller Öffentlichkeit lässt und Hunderte von Kostümen besitzt, die man alle in einem besonderen Museum bestaunen kann.

Das Manneken Pis, bei unserem Besuch ganz in schwarz gekleidet.

Brothaus zu Brüssel

Nach ca. 300 m erreichten wir die Visiten- karte von Brüssel, die auf keiner Postkarte fehlen darf und  wahrscheinlich der schönste mittelalterliche Marktplatz Europas ist, den „Grand Place“ mit seinem gotischen Rathaus, den prächtigen Barockfassaden der ver- schiedenen Zunfthäuser und dem barockisierten Brothaus (heute Stadt- museum). Er verkörpert den damaligen Reich- um und Wohlstand der Stadt.

Nicht weit davon entfernt sahen wir im Vorbeigehen eine der ältesten mit Glas überdeckten Kaufhallen  Europas. Straßen- fluchten wunderschöner alter Häuser folgten und wechselten sich ab mit engen Gässchen, so dass ein Wirrwarr an Eindrücken entstand und man die Orientierung leicht verlieren konnte. 

Rathaus zu Brüssel

Zum Glück hatten wir ja unseren kundigen Stadtführer, der uns sicher aus der Altstadt  zu unserem Bus zurückbrachte, um uns zu einer Chocolaterie zu fahren. In einer der vielen Häuserzeilen der Innenstadt wurde für unseren Bus ein lang gestreckter Parkplatz freigehalten und wir konnten ein großes Schaufenster mit der Aufschrift  „ ZAABÄR“  Chocolaterie sehen.
Dort zeigte man uns, wie aus Schokoladenrohmasse Schokoladenprodukte werden, die auch probiert werden konnten. Anschließend wurde im Verkaufsraum ein ca. 20-minütiges Video eingespielt, das uns anschaulich die Schritte von der Ernte der Kakaobohne bis zur Herstellung der Schokoladenrohmasse zeigte. Zum Schluss erklärte man uns die Unterschiede zwischen weißer, Vollmilch- und Bitter- Schokolade, wobei letztere die “gesündere“ d.h., die kakaoreichere ist.
Nach diesen Aktionen konnte eine gewürzte Schokosoße verkostet und alle Arten von Schokolade, auch Pralinen gekauft werden. Jeder konnte Mitbringsel erstehen.

Prüfen der Schokoladestemperatur

Voll mit diesen süßen Erkenntnissen traten wir unsere Stadtrundfahrt quer durch die 1,4 Mill. Stadt mit Erläuterungen unseres kundigen Stadtführers an. Es ging vorbei an den Glaspalästen des modernen Brüssels mit Börsen- und Bankgebäuden, EU- und EFTA-, Nato- und Parlamentsgebäude, die einander an Höhe und Architektur übertrumpfen .

Die Basilika von Brüssel

Atomium

Superlative scheint beim Bauen angesagt gewesen zu sein. Dann folgten weitere monumentale Bauwerke in den unterschiedlichsten historischen Baustilen, der Kathedrale St. Michael, Notre Dame de Laeken, viele weiteren Kirchen, der Synagoge, Museen, der auf dem Berg stehenden, weit sichtbaren mächtigen Basilika, der viertgrößten Kirche der Welt. Immer wieder tauchten dazwischen riesige Parkan- lagen, z.B. der Königliche Park, die Schlossanlagen auf. Den Abschluss unserer Tour, verbunden mit einer Foto-Pause, bildete das Atomium, dem Eisenatom zur Weltausstellung 1958 nachgebaut.

Mit diesen vielen schönen Eindrücken und leicht geschafft fuhren wir wieder zum Hotel zurück, wo uns das ersehnte Abendessen gereicht wurde. Gut gestärkt ließen viele von uns den Tag gemütlich mit einem kleinen Stadtbummel und bei einem der 600 belgischen Biersorten ausklingen.

Notre Dame de Laken

Brügge und Gent

Gleich nach dem Frühstück um 9.00 Uhr starteten wir mit unserem Bus zum 100 km entfernten Brügge, der Perle Flanderns.
In der von vielen Kanälen durchzogenen Stadt, auch Venedig des Nordens genannt, begann die Altstadt- führung bei herr- lichem Sonnenschein um 10.00 Uhr.

Start war der Busparkplatz außerhalb der Stadt. Es ging durch den Minnewaterpark und über eine kleine alte Steinbogenbrücke zum Minnewater, einen im Mittel- alter erbauten Binnenhafen, wo Handelsware wie Tuche, Wolle, u.ä. zur Stadt getreidelt wurden. Durch ein steinernes Tor betraten wir den  Beginenhof, einstmals ein Frauenhof mit besonderen Regeln, heute ein Benediktiner Kloster. Dann ging es weiter an malerischen Gebäuden vorbei, darunter die älteste Brauerei Belgiens, dem „Halbmond“, dem St. Janshospital und gleich gegenüber der Liebfrauenkirche mit ihrem 122 m hohen Backstein- kirchturm, dem zweithöchsten der Welt. Sie ist eine Wallfahrtskirche am Jakobsweg und eine Marien- kirche wie viele in Flandern, jedoch besitzt sie ein Kleinod von besonderem Wert: eine Marienstatue von Michelangelo, “Maria mit dem Kind“.

Rathaus in Brügge

Weiter ging es vorbei an idyllischen Häuserfronten, Wasserkanälen, Promenaden,  Restaurants und über den Fischmarkt zum mittelalterlichen Marktplatz. Der Marktplatz wird beherrscht durch die Heiligenblutkapelle mit anschließendem Rathaus und Freiamt, ein Profanbau von hinreißender Eleganz und filigraner gotischer Ornamentik. Im rechten Winkel dazu steht die verzierte Backsteinhalle mit einem 83 m hohen Belfried (Wachturm). Es ist wirklich ein malerischer Platz.

Hier endete unsere Altstadtführung und nach einer privaten Mittagspause traf man sich um 14.00 Uhr am Bootsanlege- steg zu einer 30-minütigen Grachtenrund- fahrt auf den stimmungsvollen Kanälen. Wir schipperten durch sehr niedrige alte Bogenbrücken, die die Kanäle knapp überspannten. Es ging zum Glück keiner über Bord und so gelangten wir wieder trockenen  Fußes an Land und strebten raschen Schrittes unserem schon wartenden Bus zu, um zum nächsten Highlight gebracht zu werden - der Stadt Gent, die wir pünktlich zur  geplanten Führung um 16.00 Uhr erreichten wollten.

Gent - die Perle Ostflanderns

Gent, die Hauptstadt der Provinz Ostflandern, liegt am Zusammenfluss der Leie und Schelde und wird als weitere Perle Flanderns betrachtet.
Die Stadt war im 16. Jahrhundert schon eine der mächtigsten Städte Europas. Auf der Halbinsel zwischen den beiden Flüssen liegt die Altstadt. Aus Zeitgründen und teils leichter Müdigkeitserscheinungen wurden wir mit Hilfe der Stadtführerin ins Zentrum gefahren und begannen zu Fuß am historischen Zentrum.

Nikolauskirche

Das historische Zentrum besteht aus Halle mit Belfried, Rathaus und Nikolauskirche. Eine Halle mit Belfried war im Mittelalter ein Stadtprivileg und Zeichen für den Wohlstand.
Aber den Mittelpunkt bildet die St. Bavo-Kathedrale mit dem weltbekannten “Genter Altar“ der Gebrüder van Eyck sowie bedeutende Werke von Peter Paul Rubens.
Gleich gegenüber der Kathedrale wohnte und wirkte eine zeitlang Albrecht Dürer. Leider ist der große Vorplatz zurzeit eine Großbaustelle und von seiner Pracht nur wenig zu sehen.

Gravensteen

Mühsam durchquerten wir die Altstadt. Nach ein paar Querstrassen standen wir plötzlich staunend vor der großen, gut erhaltenen Burg Gravensteen mitten in der Stadt. Sie ist eine romanische Wehranlage aus dem 9. Jahrhundert.

Dann folgte nur noch ein Gang durch die historische Fleischhalle, die einen Baustil wie eine Kirchenhalle hat. In der Balkenkonstruktion der Decke hingen viele luftgetrocknete Schinken. An den Seiten reihten sich einige Schlemmertheken und Sitzmöglichkeiten.
Am Rathaus erwartete uns nun wieder unser Busfahrer zur Rückfahrt ins Hotel.

Antwerpen – zweitgrößte Hafenstadt Europas, viertgrößte der Welt , das „Houston“  am Fluss Schelde wegen seiner Erdöl- und Petrochemie

Am nächsten Morgen war Abreisetermin. Nachdem alle 24 Teilnehmer nach dem Frühstück pünktlich um 8.00 Uhr gepackt hatten und vor dem Hotel zeitgleich mit dem Bus erschienen, konnte unsere letzte große flämische Stadt, Antwerpen, angesteuert werden.

Bei gutem Wetter mit strahlendem Sonnenschein, im Schatten jedoch noch etwas frisch, erreichten wir unser Ziel Antwerpen, die zweitgrößte Stadt Belgiens, an der Schelde gelegen, die Stadt des Barockmalers Rubens.
Unsere Führungscrew sichtete gleich den Busparkplatz am Ufer der Schelde. Hier jedoch musste unser Busfahrer sein wahres Können unter Beweis stellen: eine tiefe Grube, über- brückt von zwei schmalen Stegen genau im Achsabstand von Bussen, war zu überfahren. Diese Schikane meisterte Tino hervorragend, sodass wir zum anschließenden Gruppenfoto alle wieder lachen konnten.

Nachdem zwei Stadtführer uns begrüßt hatten, wurden zwei kleinere Gruppen von 11 und 13 Personen gebildet. Unsere Gruppe wurde von Frau „Sofie“ geführt, einer jungen, netten, aufgeschlossene Person.
Gleich zu Anfang erfuhren wir, dass Antwerpen auch die Stadt der Diamanten genannt wird, da hier weltweit die größten Diamantenschleifereien ihren Sitz haben.

Belgische Pommes mussten natürlich getestet werden

Der „Grote Markt„ mit Rathaus und den prächtigen Zunfthäusern stand am Anfang der Rundtour. Als erstes wurde uns der Brabo-Brunnen erklärt, der mitten auf diesem großen Marktplatz steht. Man sieht dort Silvius Brabo, einen römischer Krieger und Neffen Julius Cäsar, in Siegerpose über einem am Boden liegenden Riesen. In der Hand hält er die Hand des Riesen, um sie in die Schelde zu werfen. Antwerpen – abgeleitet zu “Hand werfen“ sagt der Brunnen etwas über die Entstehung des Stadtnamens aus. Die ganze Westseite dieses Marktes nimmt das mächtige Rathaus mit einer Frontlänge von 67 m ein. An der Südseite reihen sich prunkvoll verzierte Zunfthäuser mit ihren Zunftsymbolen auf den Spitzgiebeln. Wir machten einen kurzen Abstecher zum Fleischhaus, das heute ein Klang-Museum beherbergt. Die Fleischer waren früher die mächtigste Zunft in Antwerpen.
Geradewegs bergab erreichten wir den „Steen“, das älteste Bauwerk von Antwerpen, eine komplett erhaltene Fluchtburg mit Erdwall und Graben an der Schelde.
Danach entschied die Gruppe aus Zeitgründen und wegen des weiten Weges den sehenswerten Bahnhof im östlichen Teil der Stadt, eigentlich ein Muss, bekannt auch als „Eisenbahn-Kathedrale“, auszulassen und dafür die Kunst des Barockmalers Peter Paul Rubens in der Liebfrauenkathedrale zu bestaunen.
Die Kathedrale war schwach besucht. So konnte uns Frau Sofie ohne große Umlagerung von Menschentrauben die vier Originalwerke des Meisters eindrucksvoll aus kurzer Entfernung erläutern.
Mittlerweile war es auch schon 12.00 Uhr vorbei und somit die kurzweilige Führung zu Ende.
Für unsere anschließende Mittagspause empfahl uns Frau Sofie noch schnell ein uriges Restaurant mit Innenhof für unsere Mittagspause und erklärte uns den Rückweg zum Busbahnhof, denn um 14.00 Uhr sollte die Abfahrt nach Hause starten.
Das Essen dauerte etwas lange, so mussten wir uns nochmals beeilen. Über eine Abkürzung durch den Grote Markt nahmen wir so die letzten Eindrücke von dem schönen Antwerpen mit und kamen pünktlich mit der anderen Gruppe zum Bus. Die Heimfahrt konnte beginnen.

Müde, aber zufrieden über das Gesehene lehnten wir uns in die Sitze und begaben uns in die Obhut unseres Fahrers, der nun die Rückreiseroute ansteuerte. Im Gepäck die schönsten Reiseerinnerungen kamen wir gegen 19 Uhr im ach so kleinen und unspektakulären jedoch Heimatgefühle auslösenden Tamm wieder an. Wow - was für eine tolle Reise - was für tolle Städte! Vielen Dank Waltraud Nowak für deine Planungsarbeit.

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